28. Mai 2010

"Bauern klagen über sinkende Akzeptanz" (aus: Mitteldeutsche Zeitung, Naumburger Tageblatt vom 28.05.2010)

LANDWIRTSCHAFT Gesprächsrunde mit Bundestagsabgeordneten der Linken.

VON ALBRECHT GÜNTHER

FREYBURG - Auf zwei Ebenen sollte die Bundespolitik aktiv werden, mahnte der Geschäftsführer des Bauerverbandes Burgenlandkreis. "Gemeint sind die Entwicklung der bäuerlichen Betriebe einerseits und die Sicherung der Perspektive des ländlichen Raumes andererseits, obwohl beides sehr eng miteinander verzahnt ist", sagte Hans Schulze während einer Gesprächsrunde, zu der der Linke-Bundestagsabgeordnete Roland Claus in das Hotel "Rebschule" in Freyburg eingeladen hatte.

An ihr nahmen außerdem Kay-Uwe-Böttcher von der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach in Kleineichstädt (Landkreis Merseburg) sowie die Linke-Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert und Alexander Süßmair teil. Ebenfalls in der Runde begrüßt werden konnte die agrarpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann. Aus dem benachbarten Thüringen nahm der agrarpolitische Sprecher der Linke-Landtagsfraktion, Guido Kummer, an dem Gespräch teil.

Auf ihrer Exkursion hatten die Politiker zunächst das Agrarunternehmen Wölmisse Schlöben in Gernewitz bei Stadtroda sowie die Agricola Agrarverwaltungsgesellschaft in Rehmsdorf besucht. Am zweiten Tag stand eine Betriebsbesichtigung in der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach in Kleineichstädt auf dem Programm. "Anhörungen zum Thema Landwirtschaft und Tierhaltung, zu denen wir im Bundestag Vertreter des bäuerlichen Berufsstandes und seiner Organisationen einladen, tragen zur Meinungsbildung bei. Wichtig sind uns jedoch ebenso Gespräche mit den Praktikern vor Ort", sagte Claus zum Anliegen der zweitägigen Agrar-Exkursion seiner Fraktion. Was den Bauern neben dem drastischen Preisverfall, so vor allem für Milch, besondere Sorge bereitet, ist nach Aussage des Kreisbauernverbands-Geschäftsführers die "schwindende Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung". Zwar erwarteten die Verbraucher von den bäuerlichen und verarbeitenden Betrieben qualitätsvolle und preiswerte Lebensmittel, deren Erzeugen jedoch werde mit vielen Hindernissen versehen. "Investitionen in bäuerlichen Bereichen sind kaum noch möglich", hob Schulze hervor. Kündige ein Tierhalter die Erweiterung seines Betriebes an, sei zu erwarten, dass sich sofort eine ablehnende Bürgerinitiative bilde. Hinzu komme, so Schulze weiter, dass Landwirte inzwischen von der dörflichen Bevölkerung gemaßregelt würden, "wenn sie nur mal mit dem Traktor durchs Dorf fahren".

Weitere Probleme seien der Flächenverlust durch Ausgleichsmaßnahmen, die von der Bundesvermögensgesellschaft BVVG geforderten überhöhten Bodenpreise sowie überspitzte Regelungen für den Naturschutz. "Hier ist die Bundespolitik gefordert, Veränderungen zu bewirken", so Schulze. Kirsten Tackmann, die im nördlichen Brandenburg als Tierärztin tätig war, kündigte an, ihre Fraktion werde sich im Bundestag dafür einsetzen, dass "die Flächen jenen zur Verfügung stehen, die sie auch bewirtschaften und damit bäuerliche Betriebe gesichert werden".