20. Oktober 2010

Klares Signal für erhoffte Investoren (aus: Mitteldeutsche Zeitung, Naumburger Tageblatt vom 19.10.2010)

KALIBERGBAU Politiker aus Sachsen-Anhalt und Thüringen einig über eine gemeinsame Willensbekundung.

VON JOCHEN SAUERBIER

ROSSLEBEN - Um die Wiederbelebung des Kalibergbaus im geologisch so ausgewiesenen Kali-Flöz Roßleben (siehe "Hintergrund") ging es jüngst in einer Sitzung im Domizil des Roßlebener Bergmannsvereins "Zum Füllort". Eingeladen hatten die Bundestagsabgeordneten Steffen Lemme (SPD) und Johannes Selle (CDU) aus dem Kyffhäuserkreis. Und die Resonanz auf die Veranstaltung war groß. Gekommen waren so aus Sachsen-Anhalt auch die Bundestagsabgeordneten Roland Claus (Die Linke) und Dieter Stier (CDU), Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Pleye und Landrat Harri Reiche.

Breite Akzeptanz in Bevölkerung

Vor einigen Jahren hatte Roßlebens Bürgermeister Rainer Heuchel den Kalibergbau an der Unstrut wieder ins Spiel gebracht. Von den Kreistagen des Kyffhäuser- und Burgenlandkreises waren im Jahr 2008 Willensbekundungen zur Wiederbelebung des Kalibergbaus verabschiedet worden. Mit dieser Zusammenkunft sollte nun nicht nur Schwung in die Diskussion gebracht werden, sondern auch ein Schulterschluss zwischen den Politikern und Landesverwaltungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen demonstriert werden. "Vorgänge wie gegenwärtig um den Bahnhof Stuttgart 21 müssen bei uns von vornherein ausgeschlossen werden", erklärte Steffen Lemme zum Hintergrund des Treffens.

Thomas Pleye vom Magdeburger Wirtschaftsministerium verdeutlichte die Zeiträume, die zwischen dem Verkauf der Lagerstätte durch den Bund und dem Beginn der bergbaulichen Tätigkeit liegen werden. "Um alle Auflagen zu erfüllen, werden sicher fünf Jahre ins Land gehen. Man muss den Investoren als betroffene Region den Rücken stärken, muss ihnen dadurch auch gefühlte Planungssicherheit geben", so Pleye.

Harri Reiche verwies auf die langjährige Tradition des Bergbaus an Saale, Unstrut und Kyffhäuser: "Im östlichen Teil des Burgenlandkreises wird seit über 100 Jahren Kohle abgebaut - im Westen hoffentlich bald wieder Kalisalz." Die meisten Familien hätten in irgendeiner Weise mit dem Kalibergbau zu tun gehabt, deshalb gebe es auch eine breite Akzeptanz. Johannes Selle sprach von einem großen Augenmerk, das bereits die Ankündigung des Roßlebener Treffens in den Chefetagen und Ministerien gefunden habe. Man müsse nun unbedingt am Ball bleiben, um notwendige Entscheidungen zu beschleunigen, so Selle.

Nächstes Treffen in Wangen

Roßlebens Bürgermeister verwies auf die Arbeitsplatzprobleme in der Region: "Wo keine Arbeit zu finden ist, ziehen die jungen Leute weg." Heuchels Stellvertreter Steffen Sauerbier untersetzte dies mit einem Blick auf die jüngere Geschichte Roßlebens. Durch den Bergbau habe sich die Bevölkerung der Stadt zunächst fast vervierfacht. Nach der Schließung des Kaliwerkes habe Roßleben fast 2 000 Einwohner eingebüßt. Alle Teilnehmer des Treffens waren sich letztlich einig, eine gemeinsame Willensbekundung zum Kalibergbau zu formulieren und den Investoren zur Verfügung zu stellen. Und um weiter am Ball zu bleiben, lud Harri Reiche bereits für die nächste Zusammenkunft ein. Diese soll im Besucherzentrum Arche Nebra in Wangen stattfinden, wo sich einst ebenfalls ein Kali-Schacht befunden hat.