VON ALBRECHT GÜNTER
NAUMBURG/MZ - Das Ziel ist klar formuliert: Zur Bundestagswahl am 27. September will Roland Claus (Die Linke) im Wahlkreis 74, der den Burgenlandkreis sowie Teile des Saalekreises umfasst, erstmals das Direktmandat erreichen. Dafür sieht der 55-jährige Diplom-Ingenieur, der in Hettstedt geboren wurde, gute Chancen. Sie resultieren nach Claus' Ansicht sowohl aus dem gesellschaftspolitischen Programm, mit dem die Linke "einen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Umbau der Gesellschaft anstrebt, der dringend notwendig ist", als auch aus seiner bisherigen Arbeit in Berlin und im Wahlkreis.
Seit 2005 gehört der einstige PDS-Landesvorsitzende, der über ein Listenmandat einzog, dem Bundestag an. Dort ist er Mitglied des Haushaltsausschusses und Ostkoordinator seiner Fraktion. "Diese thematische Verbindung aus Bildung, sozialer Grundsicherung sowie Wirtschafts- und Finanzpolitik mit den Erfahrungen hier vor Ort ist besonders wichtig", so der Direktkandidat. So hält Claus "lebenslanges Lernen" in einer modernen Gesellschaft für notwendig. "Die Neuformierung des gescheiterten Bildungsföderalismus und die Überwindung des dreigliedrigen Schulsystems" seien Grundpfeiler eines neuen Bildungssystems mit Chancengleichheit.
Dem sollte sich die Möglichkeit anschließen, sich in Zeiten, in denen eine Erwerbstätigkeit nicht möglich ist, zu qualifizieren. Dazu sei eine am jeweiligen Bedarf orientierte Grundsicherung nötig. "Die entwürdigenden Hartz-IV-Regelungen müssen abgeschafft werden", ist sich Claus sicher. "Die Betroffenen werden durch Hartz IV gesellschaftlich stigmatisiert, der Billiglohn-Sektor der Wirtschaft wird legalisiert." Dies hätten ihm viele Gespräche im Wahlkreis verdeutlicht. Deshalb müsse es einen Paradigmenwechsel geben. "Es muss klar werden, dass der Aufbau Ost als Nachbau West gescheitert ist."
Wege zum Umbau der Gesellschaft hat Claus als Mitautor mit dem "Leitbild Ostdeutschland 2020" seiner Partei kürzlich vorgestellt. Darin heißt es auch: "Bei der Regionalentwicklung des Ostens und der Transformationsgebiete Westdeutschlands ist das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse eine Prämisse geworden." Dabei gehe es um wirtschaftliche Dinge wie arbeitnehmerfreundliche Infrastruktur oder Förderung regionaler Kreisläufe, aber ebenso um das Einbringen ostdeutscher Lebenserfahrung mit gravierenden Strukturveränderungen. "20 Jahre nach der Wende haben die Menschen in Ostdeutschland allen Grund dazu, selbstbewusst und mit erhobenem Haupt aufzutreten."
Dieses Selbstbewusstsein will Claus als "Botschafter der Region" auch künftig im Bundestag und in den Ministerien in Berlin deutlich machen. Als Haushaltspolitiker habe er Kontakt zu allen Fachministerien, könne dabei oft unmittelbar helfen. Als Beispiel nennt er ein Zeitzer Unternehmen, dessen Arbeitsplätze durch seine Intervention gegenüber der Strom-Netzagentur gesichert werden konnten. Deutlich äußert sich Claus zur Braunkohle: "Braunkohleveredelung und -verstromung sind im Transformationsprozess hin zu neuen Energien zunächst noch unverzichtbar. Auch in der Verflechtung mit der für die Region eminent wichtigen Chemieindustrie."
Lieblingsplatz ist Kneipe in der Altstadt.
NAUMBURG/MZ - Was machen Politiker in ihrer Freizeit? Lesen sie wie andere Menschen auch? Gehen sie ins Kino oder Theater? Auch darüber sprach Albrecht Günther mit Roland Claus.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Claus: Ich lese meistens zwei Bücher zur gleichen Zeit. Im Moment sind das Heinrich Heines "Französische Zustände" und "Die Wanderhure" von Iny Lorentz.
Welcher ist Ihr Lieblingsfilm und warum?
Claus: "Die Legende von Paul und Paula" aus dem Jahr 1973. Ich mag den Film wegen der faszinierenden Darstellung von Widersprüchen in der DDR. Die DDR war kein "Unrechtsstaat".
Welche Musik lieben Sie am meisten, was gibt Sie Ihnen?
Claus: Da habe ich einen klaren Favoriten. Ich liebe Irish Folk besonders von den "Chieftains" aus Dublin. Das ist Entspannung und Inspiration zugleich. Aber auch klassische Musik mag ich - Frederik Chopin und Jan Sibelius.
Wo im Kreis sind Sie am liebsten und warum?
Claus: Am liebsten gleich um die Ecke von meinem Büro in der Gaststätte "Altstadt - Köpi". Die befindet sich in der Engelgasse in Naumburg. Es zieht mich dorthin, weil es da gutes Bier und tolle Typen gibt.
Worauf können Sie am ehesten verzichten und warum?
Claus: Da muss ich nicht lange nachdenken: Am ehesten verzichten kann ich auf Radio- oder Zeitungswerbung, weil Werbung nervt, außer die für mich natürlich.