15. Juli 2009

Erfahrungsbericht zum Praktikum von Julia Tschersich

Bei einem Schülerpraktikum muss man den ganzen Tag Kaffee kochen und kopieren! Das ist zumindest das, was man von den meisten hört. Doch ganz anders waren meine Erfahrungen, als ich „Bundestagsluft schnuppern“ durfte.

Im Büro von Roland Claus, dem Ostkoordinator der Bundestagsfraktion DIE LINKE, wurde ich zuerst einmal ganz herzlich empfangen. Doch danach ging es auch gleich an die Arbeit. Im Arbeitskreis 1 der Fraktion stellte ich zusammen mit meinem Mitpraktikanten Benjamin Schlegel die Ergebnisse der Emnid-Umfrage von Bundesminister Tiefensee mit dem Titel: „Wie bewerten die Deutschen die Ereignisse von 1989?“ vor. Hierbei war deutlich zu erkennen, dass die Mehrheit der Ostdeutschen eher positiv auf die DDR zurückblickt, während die Westdeutschen ein eher negatives Bild auf die vergangenen Ereignisse haben. Vor den Abgeordneten zu sprechen, war für mich eine einmalige Erfahrung und ich war froh darüber, direkt in den politischen Alltag eines Abgeordneten „hineingeworfen“ zu werden.

Weiter ging es zur Fraktionssitzung der LINKEN, die sich als absolutes Highlight herausstellte. Nicht nur die Diskussionen zu wichtigen politischen Themen waren sehr interessant, sondern ich traf auch auf politische Prominenz, wie die Fraktionsvorsitzenden Dr. Gregor Gysi und Oskar Lafontaine.

Am Mittwoch verfolgte ich eine Pressekonferenz der Linksfraktion zum Thema „10 Jahre geteilte Regierung in Bonn und Berlin“ und verfasste anschließend eine Pressemitteilung für die Homepage von Roland Claus.

Auch in die Arbeit des Haushaltsausschusses wurde uns ein Einblick ermöglicht. Der Wirtschaftsminister zu Guttenberg hielt hier einen Vortrag zur aktuellen Lage der Hypo Real Estate.

Besonders spannend war für mich das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Klage zum Vertrag von Lissabon, die der Abgeordnete Gauweiler, der frühere Europaparlamentarier Graf von Stauffenberg und die Fraktion DIE LINKE in Auftrag gestellt hatte. In der zweiten Woche, die keine Sitzungswoche mehr war, machte ich daher eine intensive Recherche zu diesem Thema und wurde dabei, obwohl ich die Möglichkeit hatte, sehr frei und selbstständig arbeiten zu können, von Martin Schirdewan, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter von Roland Claus, tatkräftig unterstützt und angeleitet.

Außerdem beschäftigte ich mich in Vorbereitung des anstehenden Wahlkampfes und der kommenden Legislatur mit wahlkreisspezifischen Recherchen.

Bei einer dreistündigen Führung mit Wolfram Adolphi, einem weiteren wissenschaftlichen Mitarbeiter, erfuhren wir viel über die Geschichte des Regierungskomplexes und die Kunst des Architekten, Funktion und Wirkung zu kombinieren, um dem Bundestag den Eindruck von Durchsichtigkeit zu verleihen.

Insgesamt habe ich bei meinem Praktikum im Büro von Roland Claus einen sehr tiefen Einblick in die Abläufe im Bundestag gewonnen und meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Es wurde jedoch auch sehr deutlich, dass die Medien einen sehr großen Einfluss auf das politische Geschehen haben und ihrer Verantwortung, der Öffentlichkeit verschiedene Perspektiven darzulegen und sie umfangreich zu informieren, nicht immer gerecht werden.

Abschließend möchte ich noch ein Dankeschön an Roland Claus und seine Mitarbeiter für die Möglichkeit eines solchen Praktikums aussprechen.

Julia Tschersich, Praktikantin im Büro von Roland Claus