Wie schreibt das ND in seiner aktuellen Ausgabe mit nur einem einzigen Satz über die Allende-Lesung?: „Ein Publikumsmagnet war die szenische Lesung »Viva Allende« der Bundestagsfraktion.“
Roland Claus eröffnete im Palais in der Kulturbrauerei, Berlin-Prenzlauer Berg, die Allende-Lesung mit drei Sätzen:
Hier ist Berlin! Hier ist DIE LINKE! Hier sind Sie RICHTIG!
Astrid Landero:
DER SPIEGEL veröffentlicht am 14.09.1970 ein Gespräch mit dem Sieger der chilenischen Präsidentschaftswahlen, Salvador Allende. Ein Auszug.
Andrej Hermlin:
Das Programm, das Sie aufgestellt haben, ist anspruchsvoll und teuer. Sie wollen die Industrie ankurbeln, Sie wollen die Arbeitslosigkeit abschaffen, Löhne und Renten erhöhen, Schulen und Wohnungen bauen. Jedes Kind soll jeden Tag einen halben Liter Milch bekommen. Wie wird Chile dieses Programm finanzieren können?
Peter Sodann:
Ich möchte eine Gegenfrage stellen: Wissen Sie, wie das chilenische Volk lebt? Möchten Sie, dass das deutsche Volk so leben muss? Möchten Sie, dass 50 Prozent der Kinder unterernährt sind? Möchten Sie, dass es dort 600 000 Kinder gäbe, die geistig zurückgeblieben sind, weil sie nicht genug zu essen bekommen haben? Würden Sie es gern haben, wenn ich der Alleinbesitzer der deutschen Reichtümer wäre?
Andrej Hermlin:
Natürlich nicht, die Notwendigkeit von Reformen leuchtet jedem vernünftigen Menschen ein. Es bleibt die Frage, wie sie finanziert werden sollen.
Peter Sodann:
Gut, jetzt verstehen wir uns, und ich bitte Sie, uns zu helfen, denn unsere Haltung ist zutiefst human. Und Sie verstehen, dass das, was gemacht werden muss, sehr schwer ist. Es wird umso schwerer sein, wenn uns international die Kredite gesperrt werden. So hat, wie mir Präsident Frei gesagt hat, die Bundesrepublik Deutschland einen Kredit von 50 Millionen Dollar gesperrt. Ich weiß nicht, ob es private oder Regierungskredite waren.
Andrej Hermlin:
Wenn das stimmt, muss dahinter noch keine politische Absicht stecken, sondern das übliche Abwarten nach einem Regierungswechsel.
Peter Sodann:
Auf jeden Fall ist das ein ungerechter Eingriff. Wenn andere Länder in dieser Weise vorgehen, werden sie uns dazu zwingen, unser Programm zu radikalisieren. Wenn es kein Verständnis gibt und wenn das Selbstbestimmungsrecht der Völker eine Lüge ist, dann wird es nicht unsere Schuld sein. Wir haben sauber gespielt und wir haben gewonnen. Und wir hoffen, dass ehrliche Leute, wie die, die im Spiegel schreiben, das auch deutlich sagen.
Andrej Hermlin:
Wir waren bei Ihrem Finanzierungsprogramm...
Peter Sodann:
Wir schaffen es, wenn es ein kapitalistisches Land gibt, das es uns erlaubt, unsere notwendigen Einfuhren mit chilenischen Produkten zu bezahlen. Und wenn dazu kein kapitalistisches Land bereit ist, aber ein sozialistisches Land, dann werden wir bei dem kaufen.
Milch werden die Kinder Chiles immer haben, obwohl es hier an vierbeinigen Kühen mangelt.
Aber es gibt zweibeinige Kühe, und die werden wir melken: Das sind die Monopole und die ausländischen Kapitalgesellschaften, welche den Reichtum Chiles an sich gerissen haben. Und von dem, was die Amerikaner uns in drei Tagen wegnehmen, können die chilenischen Kinder
in Milch baden. Ist das klar?
Andrej Hermlin: Ja, das ist klar.
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