10. Februar 2011

Grün und Links im Gespräch (aus: Leipzigs Neue vom 11.02.2011)

Der linke Bundestagsabgeordnete Roland Claus bittet die beiden Geschäftsführerinnen von Bündnis 90/Die Grünen und Linkspartei, Steffi Lemke und Caren Lay, nach Leipzig. Am 1. März werden sie über Ost- und Westdeutschland 20 Jahre nach der deutschen Einheit diskutieren. LN sprach vorab mit Roland Claus.

LN: Das Jubiläum 20 Jahre Deutsche Einheit wurde im vergangenen Jahr gefeiert. Sind Sie nicht ein bisschen spät dran?

RC: Für mich ist die deutsche Einheit ja keine Eintagsfliege. Solange keine gleichwertigen Lebensverhältnisse zwischen Ost und West erreicht sind, setze ich mich weiter gegen die noch bestehende Ungleichbehandlung der Ostdeutschen ein, zum Beispiel gegen die niedrigeren Löhne und Renten. Zukunftsorientiert geht es mir aber auch um die Erfahrungsvorsprünge Ost. Denn die Erfahrungen der Ostdeutschen aus der DDR und vor allem mit 20 Jahren Umbruch liegen brach, dabei könnten sie für die ganze Republik nutzbar gemacht werden.

An was denken Sie da konkret?

Zum Beispiel müssten Polikliniken überall eingeführt werden, die öffentliche Kinderbetreuung im Westen muss endlich auf Ostniveau gebracht werden und vor allem muss Schluss sein mit der bildungspolitischen Kleinstaaterei: Wir brauchen ein einheitliches Schulsystem - das alles wären sinnvolle Innovationen für ganz Deutschland.

Welche Erfahrungsvorsprünge erhoffen Sie sich denn von Lemke und Lay?

Ich finde, dass die Ostdeutschen vor fünf, sechs Jahren ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden haben und ihre Erfahrungen auch ausdrücken wollen. Deswegen habe ich die Gesprächsreihe "Ost-Termin" ins Leben gerufen. Darin kommen ein Wessi mit Ost-Erfahrung und ein Ossi mit Westerfahrung miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch. Die reden dann über ihre Vorurteile, Erlebnisse und Einsichten im jeweils anderen Landesteil in den letzten 20 Jahren. Das Publikum war jedes Mal begeistert, denn das waren sehr intensive, emotionale Diskussionen fernab von pauschalen Verurteilen oder Klischees. Da haben sich Menschen geöffnet und einen Blick auf die seelischen Verletzungen und Glückserfahrungen freigegeben und einen Dialog darüber ermöglicht, der nichts mit dem aufgesetzten Einheitsjubel im Fernsehen zu tun hat. Am 1. März darf ich hier in Leipzig die ostdeutsche Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, und die westdeutsche Bundesgeschäftsführerin der Linkspartei, Caren Lay, die auch ihren Wahlkreis im Osten hat, moderieren. Also zwei starke Frauen, die es an die Spitze geschafft haben und auch für die Zukunft reichlich Ost-West-Erfahrung vorweisen können.

Ihre Veranstaltung heißt Grün und Links. In diesem Jahr wird es sieben Landtagswahlen geben. Ist grün-links Ihre Wunschkoalition?

Über Koalitionen kann man seriös erst nach den Wahlen reden, wenn die Ergebnisse vorliegen. Sicher gibt es Überschneidungen zwischen den Positionen der Grünen und meiner Partei, aber auf Bundesebene trennen uns auch wesentliche Überzeugungen, zum  Beispiel lehnen wir Kriegseinsätze der Bundeswehr ab. Im Osten haben die Grünen auch noch Nachholbedarf, was solide Realpolitik angeht. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 20. März will meine Partei ihren Beitrag zur deutschen Einheit jedenfalls dadurch leisten, dass wir erstmals den Ministerpräsidenten stellen.


Ein Ost-Termin der Bundestagsfraktion DIE LINKE

Studio 3, Listhaus, Friedrich-List-Platz 1, 04103 Leipzig

1. März 2011, 18 - 20 Uhr