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1. Februar 2010

Roter Plüsch mit Ypsilanti (aus: Frankfurter Rundschau vom 01.02.2010)

Von Pitt von Bebenburg

 

Wiesbaden. Das Steintor im sachsen-anhaltinischen Halle ist ein Varieté mit Tradition. "Sozialismus in Plüsch", sagt der Linken-Bundestagsabgeordnete Roland Claus, um es zu beschreiben.

Hier, im Steintor zu Halle, steht am nächsten Mittwoch eine besondere Veranstaltung an, die Claus als "Ost-Koordinator" der Fraktion auf die Beine gestellt hat. Unter dem Motto "Frauen ganz links" trifft Andrea Ypsilanti auf Sahra Wagenknecht. Sie sollen "aus linker Perspektive" diskutieren, "wie Ost und West weiter zusammenwachsen können".

Die Paarung ist brisant. Hier die frühere hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti, die mit Hilfe der Linkspartei Ministerpräsidentin einer rot-grünen Regierung werden wollte und in letzter Minute an den eigenen Parteifreunden scheiterte. Dort die Kommunistin Sahra Wagenknecht, Bundestagsabgeordnete und demnächst Vize-Parteichefin der Linken, die der SPD gerade erst wieder "soziale Untaten" vorwarf.

Andrea Ypsilanti freut sich auf den Abend. "Ich finde immer Dinge spannend, die ein bisschen aus dem Rahmen fallen", sagte sie der Frankfurter Rundschau. Klar, die Begegnung mit Wagenknecht sei "ein Austausch, der auch ungewöhnlich ist". Jetzt aber, nachdem sie sich von Spitzenfunktionen in Partei und Fraktion zurückgezogen habe, besitze sie "auch die Freiheit, das zu tun".

Jetzt ist sie wieder aktiv

Über Wagenknecht habe sie noch keine Meinung. "Ich mache mir am liebsten ein Bild, wenn ich Leute persönlich getroffen habe", betonte Ypsilanti. Sie wisse aus eigener leidvoller Erfahrung, wie falsch die öffentlich gezeichneten Bilder ausfallen könnten.

Ein Jahr lang hatte sich die Hessin zurückgehalten. Sie hielt keine Rede im Landtag, gab keine Interviews, trat öffentlich nicht auf. Jetzt ist sie wieder aktiv. Am Wochenende trifft sie sich mit Wissenschaftlern und Politikern von SPD, Grünen und Linken, um linke Konzepte für Arbeit, Wirtschaft und Bildung zu entwickeln. Dann folgt sie der Einladung des einstigen SED-Bezirkschefs und späteren PDS-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Roland Claus.

In der heimischen SPD hält sich die Begeisterung in Grenzen. "Bei uns ist es nicht üblich, dass man Veranstaltungen, die man besucht, anmeldet", sagte ein Parteisprecher. "Das liegt in der Verantwortung jedes einzelnen." Hessens CDU sieht in Ypsilantis Aktivitäten ein Indiz für Richtungskämpfe, die erst richtig losgingen. "Davon können auch alle salbenden Beteuerungen des blassen hessischen SPD-Parteichefs Schäfer-Gümbel nicht ablenken", kommentierte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Axel Wintermeyer. "Ich sage der SPD eine weitere Zerreißprobe voraus."