Aus einer Mail von Vera Liebmann – einer Schülerin, die als Patin von Roland Claus im Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) von Bundestag und US-Congress ein Jahr in den USA verbringt:
2. Dezember 2009
Hallo Herr Claus,
ich muss schon sagen, ich fühle mich so "richtig wichtig", weil mir nämlich ein Mitglied des Bundestags eine Mail geschrieben hat. Das finde ich wirklich sehr, sehr nett, dass Sie sich dafür Zeit genommen haben, denn ich kann mir vorstellen, dass Ihr Zeitplan nicht grade viele große Lücken hat. Umso mehr tut es mir Leid, dass ich so lange für die Antwort gebraucht habe.
Ich habe meine Deutschlandpräsentation am 19.11. gehalten. Ich habe vor allem über die Entwicklung des Ostens nach der Teilung Deutschlands und über die Wiedervereinigung und die heutige Lage gesprochen. Ich hatte mir überlegt, dass die Geschichte bis zum 2. Weltkrieg wahrscheinlich allen bekannt ist, und dass die Geschichte Ostdeutschlands wahrscheinlich eher weniger bekannt ist. Außerdem waren recht viele überrascht, dass es, obwohl Deutschland seid langem wiedervereinigt und ein kleines Land ist (im Vergleich zu den USA), es doch noch den einen oder anderen Unterschied gibt zwischen Osten und Westen. Ich glaube mein Vortrag war recht gut. (…)
Letzte Woche war Thanksgiving, und wir sind zusammen mit den Eltern meiner Gastmutter in die Sierra Mountains gefahren. Die Hälfte der Familie war allerdings krank, und deshalb saßen wir die meiste Zeit in dem (recht großen) Ferienhaus und haben Filme geguckt. Natürlich gab es dann noch das berühmte Thanksgiving-Essen: Turkey, stuffing, cranberry sauce, pumkin pie (…), ham, sweet potatoes und so weiter und so fort. Da wir in den Bergen waren, hat es sogar geschneit am vorletzten Tag (etwa 10 cm). Die ganze Landschaft war mit Schnee bedeckt und es sah wirklich wunderschön aus. Deshalb sind wir an dem Tag auch rausgegangen und haben eine "amerikanische Wanderung" gemacht. Die Wanderung unterscheidet sich vom deutschen Wandern, weil sie nur ungefähr 1 km lang ist und weil man mit einem Auto hinfährt. (…)
Disneyland und Hollywood sind jetzt schon eine ganze Weile her. (…) Wir haben natürlich die ganzen Disneyfiguren gesehen, und ich habe ganz viele Fotos von mir und meinen Gastschwestern und den Disneyfiguren. Dann gab es noch die ganzen Fahrten, die man machen konnte und ich bin zum ersten Mal eine Achterbahn gefahren. Es gab ein Looping und ziemlich steile Senkungen und Hebungen, Stopps und steile Kurven. Es war wirklich AMAZING. Dann gab es noch die Schneewittchen Fahrt, auf der man durch den Schneewittchen Film fährt. Diese Fahrt und die Achterbahn waren meine Lieblingsfahrten. Die anderen waren auch alle toll, aber wenn ich jetzt anfangen würde alle aufzuzählen, wäre bald der Speicherplatz dieser Email zu Ende. Ich habe auch angefangen ein kleines Bilderbuch zu machen, mit Kommentaren zu den Bildern, und wenn ich wieder da bin, werde ich das auf jeden Fall zu unserem nächsten Treffen mitbringen. (…)
Die Schule hat heute wieder angefangen, und ich habe schon wieder Millionen Hausaufgaben. Im Moment sehen meine Noten ganz gut aus, außer in Englisch, da stehe ich B+. In den anderen Fächern stehe ich entweder A oder A-, also eine 1 bis 1-. Dieses Wochenende machen wir eine kleine Weihnachtsfeier mit unserem Area Rep – der Frau, die uns an die Gastfamilien vermittelt hat. Alle ihre Schützlinge, mich eingeschlossen, treffen sich dann bei ein paar Freunden meine Gasteltern, die auch einen Austauschschüler haben, und dann machen wir lustige Spiele und essen ländertypische Sachen, die von den jeweiligen Austauschschülern gemacht wurden. Ich mache Kalten Hund und Schnitzel zusammen mit einem anderen Austauschschüler aus Deutschland. Heute habe ich auch mal wieder versucht, mit meinen "tollen Backkünsten" zu beeindrucken. Ich wollte meine Lieblingsweihnachtskekse backen, die normalerweise meine Oma macht, aber leider hatte ich die falsche Schokolade gekauft, nämlich Backschokolade ohne Zucker und deshalb haben die Kekse dann etwas bitter geschmeckt. (…)
Ich hoffe, die Arbeit im Bundestag geht gut und es gibt keine großen Probleme. Meine Freunde hier sind alle ganz begeistert, wenn ich ihnen erzähle, dass ich von einem Bundestagsabgeordneten gesponsort werde, und dass ich soviel von Deutschland und dem Bundestag und Ihnen erzählen kann. Botschafter zu sein finde ich ziemlich gut soweit. (…)
Ich vermisse Weihnachtstürchen aufmachen und Adventskerzen anzünden und Nikolaus – drei Dinge, die hier wenig oder gar nicht bekannt sind. (…) Ich hoffe, Sie und ihr Team geniessen vor allem die schöne Adventszeit, und natürlich das Weihnachtskalendertürchen öffnen.
Viele liebe herzliche Grüße an alle und natürlich an Sie – Grüße auch von meiner Gastfamilie, denen ich ganz viel von Ihnen allen erzählt habe und natürlich von mir
Vera Liebmann